Interview Rheinpfalz gedruckt am 3.April 2002

 

Jugend und Politik in der Region: "Junge Menschen früher in die Wirtschaft bringen"
 

Murat Eyiberispek ist seit Februar Vorsitzender des Kreisverbands Landau, Südliche Weinstraße und Westpfalz der JuLis
 

"Politik aktiv beeinflussen können, produktiv einen Beitrag leisten, deswegen habe ich beschlossen, mich politisch zu engagieren", sagt Murat Eyiberispek, der neue Vorsitzende des Kreisverbandes Landau, Südliche Weinstraße und Westpfalz der Jungen Liberalen

(etwa 40 Mitglieder). Der 25-Jährige aus Annweiler, der als Unternehmensberater tätig ist, ist im Februar in das neue Amt gewählt worden.
 

Vor drei Jahren hat er sich verschiedene Parteiprogramme angesehen und festgestellt, dass das Programm der FDP seinen Überzeugungen am ehesten entspricht. "Da ich aus der Wirtschaft komme, weiß ich, dass sich der Staat so weit wie möglich zurücknehmen sollte. Und die FDP hat da die besten Konzepte." Murat kommt zwar aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie, aber von den wirtschafts- und sozialpolitischen Vorstellungen der SPD hält er wenig. Dennoch hat es bis zum vergangenen Herbst gedauert, bis er der FDP und den Jungen Liberalen beigetreten ist. Zu den Zielen, die er mit den JuLis erreichen will, gehört die Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren. Man müsse die jungen Menschen früher in die Wirtschaft bringen. Die Schule solle den Schülern beibringen, wie man lernt und nicht vorrangig versuchen, umfassendes Wissen zu vermitteln.
Ferner fordert Murat die Abschaffung der Wehrpflicht. Die Bundeswehr brauche heute vor allem spezialisierte Einsatzkräfte. Außerdem verzögere die Wehrpflicht den Berufseintritt der jungen Männer. Ein weiteres Ziel sei die Legalisierung weicher Drogen wie Cannabis und Marihuana.
Zu den jeweiligen Veranstaltungen wollen die JuLis Veranstaltungen in Form von Experten- und Diskussionforen organisieren. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Unterstützung des FDP-Kandidaten für den Bundestag Dr. Volker Wissing. Überhaupt gebe es eine große inhaltliche Übereinstimmung zwischen FDP und Jungen Liberalen.
Warum sollte jemand den JuLis beitreten? Murat ist überzeugt, dass "wir die vernünftigsten und besten Konzepte haben." Um weitere Mitglieder zu gewinnen, plant Murat Kneipen, Kinos und Weinfeste aufzusuchen: "Überall wo sich viele Jugendliche treffen, wollen wir sie ansprechen und - falls Interesse besteht - auch über uns informieren." Murat hält es für ein vorrangiges Ziel, Jugendliche für Politik zu motivieren. In unserer Gesellschaft treffe man nämlich zu selten auf die Bereitschaft, sich politisch oder sozial ehrenamtlich zu engagieren. Die Menschen seien zu sehr am Spaß orientiert. "In der Türkei gibt es ein Sprichwort: 'Ein satter Hund bellt nicht'. Den Leuten geht es zu gut, deshalb fehlt ihnen der Ehrgeiz, sich zu engagieren."
Murat ist Gründer und Landesbeauftragter der "Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung", die den Türken in Deutschland mit oder ohne deutschen Pass Einfluss ermöglichen und sie einbinden soll. "Wir wollen damit einen Beitrag zur Integration leisten" erklärt Murat.
Auf die Erwartung bei der kommenden Bundestagswahl im September angesprochen, deutet Murat auf einen Aufkleber, auf dem die Zahl 18 steht. 18 Prozent? ist dies realistisch? Murat lacht: "Ja!" Er hofft natürlich, dass die FDP nach dem 22. September in der Regierung sitzt. Mit der CDU/CSU oder mit der SPD? "Ich denke, die sozialliberale Koalition in Rheinland-Pfalz funktioniert ganz gut", so Murat.
 

RON - RHEINPFALZ ONLINE, Mittwoch, 3. Apr , 03:45 Uhr