Pressemitteilung vom 17.05.2002

Die Rolle der türkischen Frau in der deutschen Gesellschaft

 

Am Mittwoch dem 15. Mai fand im gut besuchten Clubheim des Tennisverein in Annweiler-Bindersbach eine Podiumsdiskussion zu der Rolle der türkischen Frau in der deutschen Gesellschaft statt. Veranstalter der Diskussionsrunde war die Friedrich Naumann Stiftung. Dr. Volker Wissing begrüßte die Gäste im Namen der Stiftung und unterstrich in seinem Grußwort die Verdienste politischer Stiftungen um die politische Bildung. „Die Friedrich Naumann Stiftung animiert die Menschen, sich politisch zu engagieren und selbstbewusst ihre Meinung zu vertreten. Das ist besonders wichtig, denn ohne politisches Engagement kann eine moderne Demokratie nicht funktionieren“, so Wissing. Murat Eyiberispek, Landesbeauftragter der Liberalen Türkisch Deutschen Vereinigung in Rheinland-Pfalz, übernahm die Moderation der Diskussionsrunde mit Dr. Claudia Schöning-Kalender, Kulturwissenschaftlerin aus Mannheim, Ayten Göktas, Marketingexpertin für den asiatischen Raum, und Bekir Alboga, Imam der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee in Mannheim. Alboga erläuterte, der, Koran habe zur Zeit seiner Entstehung geradezu revolutionäre Neuerungen für die damalige Gesellschaft gebracht. Mohamed habe die Frauen von Anfang an den Männern gleichgestellt. Erst im späteren Verlauf der Entwicklungsgeschichte des Islam sei diese Gleichstellung bedauerlicher Weise wieder eingeschränkt worden. Alboga verwies auch auf die Unterschiede zwischen dem türkischen Islam und dem arabischen Islam. Nicht zuletzt durch Atatürk sei der türkische Islam wesentlich liberaler und moderner als die arabische Form. Ayten Göktas betonte, die Frauen in der Türkei seien in allen gesellschaftlichen Positionen vertreten. Im Gegensatz zu Deutschland habe es in der Türkei schon eine Ministerpräsidentin gegeben. „Da die ersten Türken, die nach Deutschland kamen, größtenteils aus ländlichen Regionen der Türkei stammten, waren viele der Frauen Analphabeten und dadurch erheblich in ihren Entfaltungsmöglichkeiten beschränkt. Zudem ist die erste Generation der Türken in Deutschland sehr konservativ eingestellt“, so Göktas. Dr. Schöning-Kalender verwies auf die gravierenden regionalen Unterschiede in der Türkei. In der Türkei liege der Anteil an Professorinnen bei ca. 25%, in Deutschland dagegen nur bei 10%. Trotz des hohen Anteil an Akademikerinnen gebe es in

den ländlichen Regionen aber immer noch viele Analphabetinnen. Alle waren sich einig, dass die Sprache das entscheidende Mittel zur Integration sei. Daher sei es äußerst wichtig - gerade bei den jungen Türken - auf das Erlernen der deutschen Sprache hinzuwirken. Aus den Reihen der Zuhörer wurde die Frage aufgeworfen, weshalb sich türkische Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht stärker in örtlichen Vereinen engagieren und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Aytan Göktas suchte eine Erklärung in den oft mangelnden Sprachkenntnissen. Bekir Alboga wies darauf hin, dass ein Miteinander bei jüngeren Generationen heute eine Selbstverständlichkeit sei. Wissing zeigte sich erfreut darüber, dass trotz der Champions-League so viele interessierte Bürgerinnen und Bürger den Weg ins Clubheim gefunden haben. „Das zeigt uns, dass dieses Thema die Menschen beschäftigt.“, so Wissing.